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, Raphael Labhart

„Ich bin der Meinung besser eine grosse Muttergottesstatue der Rosa Mystica an diesem Platz, als so ein Tier aus der Hölle. Besser wäre es für die Romanshorn zu Gott zurück zu kehren!!!“, so das wörtliche Zitat aus Mocmocs Internet-Gästebuch. Mocmoc? Mocmoc ist ein Fabelwesen, halb Nessie, halb Pikachu, dessen Abbild aus Polyester einer Helden-Statue gleich einst vor dem Bahnhof der Bodensee-Gemeinde Romanshorn aufgerichtet wurde. Erfunden wurde Mocmoc (welcher das Mokieren wohl implizit im Namen trägt) von den Künstlern Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger. Aus dem Blickwinkel der medialen Aufmerksamkeit betrachtet dürfte der „Zankapfel Mocmoc“ denn auch ihren grössten Erfolg darstellen – sofern wir den Erfolg am Paradigma der Provokation messen. „Wir sind nicht per se nur an der Provokation interessiert, aber das ist ein Mittel dazu, und über diesen Weg und diese Thematik und dadurch, das Kleine gross zu machen, sprich Glamour versus Schweizer Bescheidenheit, da kann man zum Ziel kommen“, sagte Johannes Hedinger einst gegenüber der Deutschen Welle. Nur, was ist das Ziel der beiden St. Galler, welche beide neben ihrer Tätigkeit als Künstler auch Kunst dozieren? Ziel scheint primär der Bruch mit dem Erwarteten, dem Erwartbaren, dem Artigen: Ob Wilhelm Tell und Aliens sich auf dem Rütli ein Stelldichein geben, ein Elternpaar in Zürich 10‘000 Franken dafür bekommt, dass es seinen Sohn Dada tauft oder ein Videoclip mit der Schweizer Elektro-Legende Dieter Meier zwecks Neuinterpretation der Nationalhymne gedreht wird: Bei Com&Com kracht es und glücklich sind garantiert nie alle – war ja auch nie Ziel. Vielleicht besteht gerade in diesem Umstand, oder vielmehr auf seiner Meta-Ebene das spezifisch Schweizerische im Schaffen der beiden: Mitreden sollen alle – gemotzt wird sowieso. Bis heute hat Com&Com an über 100 Ausstellungen in 17 Ländern teilgenommen, 15 Kurzfilme gedreht, 8 CDs und 6 Bücher veröffentlicht und ein Musical inszeniert – und ist nicht zuletzt dank Mocmoc weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Vielleicht widmen sie sich in ihrem nächsten multimedialen Projekt gerade darum dem „Bloch“ – der zutiefst appenzellischen Tradition der Wintervertreibung, bei dem ein Baumstamm auf Rädern durch die Dörfer des hügeligen Hinterlands gezogen wird. Com&Com braucht das Brauchtum, die Helden, Legenden, Mythen – um sie alle über Bord zu werfen. Wir zittern in freudiger Erwartung.
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