menschen
Cyril Plangg
, Miloud Genova und Cyril Plangg
Ich traf den Plangg das erste mal im Kafi Schnaps, im Frühsommer mit Lederjacke und Pullover, völlig verschwitzt, er hatte sich mit dem Fahrrad verirrt. Dort stellte er sein mögliches Projekt für den Nullpunkt 2011 vor und kurze Zeit später war auch schon klar, der Plangg, der stellt bei uns aus. Nach der ersten und zweiten Begehung habe ich den Cyril dann getroffen um ein Portrait von ihm zu machen, ausgestattet mit einer Videokamera inklusive Kameramann und einem Autoreifen. In den kurzen und von Nullpunktarbeit geprägten zehntägigen “Ferien” in Italien musste ich dann aber von einem dort ansässigen “Videomensch” vernehmen, dass das Band leer sein soll. Darum haben sich dann der Plangg und ich versucht daran zu erinnern, was an dem verregneten Tag auf der Josephwiese so alles gesprochen wurde.
These are the fragments of the lost interview, recorded on a grey foggy day before the big rain came.
Miloud Genova im Gespräch mit Cyril Plangg.
Miloud: Cyril Plangg, wir wollen Dich näher kennenlernen, was Du machst und wohin Dich Deine Wege
führen. Wer also ist dieser Cyril A. Plangg?
Cyril: Ja. Wer bin ich? Wer weiss das schon so genau. Diese Frage erinnert mich an den Film von Miloš Forman “One Flew Over the Cuckoo’s Nest”. Dort wird Jack Nicholson gefragt: “What can you tell me about why you’ve been sent over here?” d.h. warum man ihn in die Irrenanstalt geschickt hatte, und wer er eigentlich ist. Einfach gesagt, beschäftige ich mich manchmal mehr mit dem Denken, manchmal mehr mit dem Tun. Manchmal nenne ich mich “Waste Artist” manchmal “Mistake Philosopher”.
Miloud: Mistake Philosopher?
Cyril: Die Philosophie hat Schwierigkeiten mit der Tatsache, dass wir uns regelmässig Irren. Was “nützt” es dem, der sich irrt eigentlich, sich zu irren? Und trotzdem: Irrtümer gibt es nicht nur viele, sonderm wir irren uns die ganze Zeit, schon wenn wir den Mund aufmachen, und erst recht wenn wir in halten und anfangen zu denken. Wir alle sind irgendwo MistakePhilosophers.
Miloud: Warum Waste Artist?
Cyril: Naja, bei soviel “Waste” in unserer Welt ist es doch ganz entspannend, dass wir wenigstens daraus “Waste Art” machen können. Die Kunst des “Kreativen Irrtums” wackelt nicht ohne Selbstironie auf ihrem hohen Sockel.
Miloud: Wir erlauben uns die Frage: “Was ist Kunst?”
Cyril: Es gibt niemals eine vollständige Antwort. Widersprüche sollten wir nicht als Defizit verstehen, sondern als Chance die Sprache zu erweitern: das Fragen wie das Antworten.
Miloud: Ein Beispiel?
Cyril: Vielleicht ist die Kunst das ungeliebte Kind des Künstlers. Vielleicht, weil das Werk vom Künstler etwas verlangt, was er nicht geben kann. Sein Werk verselbständigt sich. Es übersteigt ihn, wird lebendig. Ein Künstler ist niemals Herr über sein Werk. Weder Idee noch Vollendung retten ihn vor dieser oft quälenden
Realität.
Miloud: Wie ist das Leben als Künstler?
Cyril: Es ist ein Leben in ständiger Arbeit. Der Künstler beschäftigt sich mit ganz unbegreiflichen Dingen. Er ist dabei allein. Er versteht sich selbst nicht und überfordert sich ständig, ist immer auf der Suche, rastlos, auch wenn er daran zugrunde geht. Er trägt Zukunft und Vergangenheit in sich, er zerreisst sich innerlich. Alles ist Material und verschwendete Zeit. Am Ende ist er nur Werkzeug, folgt seinem Willen bis in den Wahnsinn. Es ist wie ein Krieg gegen Windmühlen, aus dem er immer wieder zurückkehrt. Keiner weiss wozu das gut ist. Die Nachbarn werden’s ihm danken die Narben aber bleiben …
Miloud: Ein Künstlerleben ist also …
Cyril:… Ja, es ist schwierig, es ist beschissen. Aber wir lächeln unserem Schicksal entgegen. Damit düngen wir unser Werk, in der Hoffnung das daraus etwas Neues wächst.
Miloud: Wahnsinn …
Cyrill: Ja, der Wahnsinn ist wohl einer der zwölf schöpferischen Zustände – aber die anderen, die kennt niemand.
Miloud: Und was wird uns die Zukunft bringen?
Cyril Auch wenn wir Künstler versuchen die Zukunft mit einzubeziehen, überlasse ich Prophezeiungen gerne anderen. Und weil es so viel Bad Prophecy schon gibt: Viel wird sich nicht verändern. Vielleicht aber doch. Und da muessen wir schauen wo wir bleiben.
Miloud: Wie sollen wir das tun?
Cyril: Die Kunst ist keine Anleitung, wie wir die Welt verändern können. Vielleicht kann sie die Menschen auf eine Weise ansprechen, so dass es nicht unbedingt nötig ist sich ständig die Schädel einzuschlagen als besonderes Zeichen der Wertschätzung. Ich kenne keine Kunst, die das Verhalten der Menschen nachhaltig verschlechtert. Sie zeigt nur Problemzonen auf. Menschen, die gereizt auf ihre Provokation reagieren, benötigen mehr Liebe. Manchmal jedenfalls.
Miloud: Was gibst Du uns für die Zukunft mit?
Cyril: Ja… was die Probleme angeht, die auf uns zukommen werden? Habt Mut, wir werden ihn brauchen. Nur lasst euch nicht klein machen. Es ist eure Zukunft, nicht die der Propheten. So furchtbar wird der nächste Schritt nicht sein, die Evolution hat gezeigt: wir tragen schon viele Katastrophen in uns, und wir werden ja sehen.
Miloud: Die Rolle der Kunst?
Cyril: Ich fürchte die Kunst hat in vielen Punkten den Anschluss zum Leben und zu den Problemen dieser Welt verloren. Sie lässt sich hauptsächlich vom Markt aushalten, bedient den Status. Eine schreckliche Vorstellung: Korrumpierte Kunst. Wenn sie es schafft, ihre Unabhängigkeit zu behalten, so kann sie manchmal auch die Mauern und Gräben zwischen den Menschen überwinden. Es ist nicht das Diktat der
eigenen Vorstellung, sondern, es zählt der Dialog. Und Kunst sagt uns dann: wir sind nicht allein.