menschen
Lorenz Meier
, Simon Truog
Ein Schulgeschichtsbuch (Schib/Boesch: Weltgeschichte) beschreibt die bildende Kunst während dem frühen Christentum, die mit der byzantinischen Malerei ihren Anfang nimmt, als geprägt durch eine „feierlich-starre, der Wirklichkeit entrückte Steifheit“. Nachdem sich Jahrhunderte lang der Bildstil kaum verändere, bemühe sich erst die Renaissance-Malerei um naturgetreue Darstellung und Raumtiefe. Die damals noch unwirkliche Kunst sei jetzt wirklich, so offenbar die Aussage.
Schaut man die Radierungen und Zeichnungen von Lorenz Meier an, befällt einen das Gefühl, dieses kunsthistorische Narrativ sei zu einfach, wenn es einen Fortschritt zum Naturgetreuen in der Renaissance beschreibt. Zumindest scheint das Entrückte, das Meiers Illustrationen prägt (siehe www.lorenzmeier.com), unsere Zeit sehr gut wiederzugeben, vielleicht besser als ein ‚wirklichkeitsgetreues‘ Bild. Zumal seit dem 20. Jahrhundert die Möglichkeit der Fotografie neue Massstäbe bezüglich Abbildens der Wirklichkeit setzt – es ist klar: Schon die Surrealisten haben diese erneute Kehrtwende weg vom Naturalismus vollzogen; aber was, wenn auf der formalen Ebene anstatt dem Unbewussten religiöse Ereignismalerei zitiert wird? Ist die Postmoderne bevorzugt mit Darstellungsmitteln, die während dem frühen Christentum entstanden sind beschreibbar? Oder zeigt ein Rückgriff auf solche Mittel, dass so etwas wie ‚unsere Zeit‘ gar nicht abbildbar ist mit einem Bild als Blickfeld, wie es menschliche Augen sehen könnten? Antworten verspricht das Triptychon, das Meier am Nullpunkt ausstellen wird. In Anlehnung an religiöse Ereignismalerei wird es gesellschaftliche Entwicklungen und Ideen darstellen.
Lorenz Meier ist seit 1995 als freischaffender Illustrator für verschiedene Zeitungen, Magazine, Werbeagenturen und Verlage tätig. Seit 2007 ist er Dozent für Illustration und Zeichnen an der Fachklasse Grafik, Hochschule Design & Kunst in Luzern.