menschen
Nora Zukker
, Raphael Labhart und Nora Zukker
Sich in der einen von der anderen Welt erholen
„Nora, wenn ich vielleicht eine Frage stellen darf…?“ Seit Beginn des Gesprächs ist eine gute halbe Stunde vergangen, und ich weiss, es bedarf keiner weiteren Beweise mehr: Nora Zukker hat sich dem gesprochenen Wort verschrieben.
Bis hierhin habe ich erfahren, dass sie Mühe hat, sich als Künstlerin zu bezeichnen. Sie tut das, was sie bereits als kleines Mädchen tat: den Menschen ihre Geschichten erzählen. Ich frage: „Was bist du dann?“ Sie schweigt zum ersten Mal. „Ich glaube, ich bin eine Wortakrobatin.“
Nora Zukker konstituiert sich per Ausschlussverfahren, ihre Welt ebenso: Ob im Studium, in der Marktforschung, im Gastgewerbe – Nora musste zuerst wissen, was sie nicht will, um sich dann für ein Leben in zwei Welten zu entscheiden. Selbst beschreibt sie diese Lebensart als: „Sich in der einen von der anderen Welt erholen.“
Wie sie zu ihren Geschichten kommt, geschieht in zwei Phasen. Einerseits die kreativ-aufregende Phase, in der sie sich unter Menschen befindet, wo sie Gerüche, Gespräche und Gefühle in sich aufsaugt. Andrerseits zieht sie sich klar zurück, gibt sich Raum zum Träumen und das Gesammelte zu ordnen. „Da sind mir dann Menschen meist zu viel. In diesen Momenten bin ich viel in der Natur, um an ursprünglich-schöpferischen Orten zu sein.“
Bei Zwischenmenschlichem hilft ihr die Sprache oft, erzählt mir Nora am Ende unseres Gesprächs. Denn jemanden an sich heranlassen, jemanden in sich hinein schauen zu lassen, erfordert für sie Mut. Sie weiss genau, wann sie das Fenster zu ihrer Seele wieder schliessen muss – am Ende einer Lesung.