Editorial
Wahn Sinn
, Miloud Genova
Die letzten Tage sind verflogen wie die Nacht auf einem transatlantischen Linienflug. Der Hals ist trocken, wir kommen kaum noch zum trinken. Schlafen? Nein. Entspannen? Eher der zweite Teil des Worts und zwar innerlich, bis kurz vor dem Zerreisen.
Er ist nicht der Fels in der Brandung, der Nullpunkt. Er ist die Brandung. Ein Meer von Ideen, von Vorstellungen, von Visionen, das sich nun immer mehr und immer stärker auf uns entlädt, seine Wellen auf uns niederschlägt, uns zu sich hinein zieht, um uns dann wieder an Land zu werfen.
Jeden Tag beschäftigen wir uns in der Redaktion damit den Prozess festzuhalten, aber wenn wir ehrlich sein wollen, es ist der Prozess, der uns festhält. Stunden über Stunden an Tonmaterial und Videomaterial haben sich zum Teil angesammelt, dazu bestimmt, in eine Form gebracht zu werden. Aber der Nullpunkt ist unerbittlich, wie ein Sog, wie das Bermuda-Dreieck, daran kommst du nicht vorbei, er übermannt dich. Er paralisiert dich und treibt dich gleichzeitig an, lähmend hektisch. Und so verweilen viele Töne und Bilder in der Redaktion, wie sie aufgenommen wurden und warten immer noch auf ihre Form. Und wir darauf bis wir ihnen Form geben können. Und vieles geschieht nebenbei (RadiosendungJingle, Teaser, Betonklotz).
Alle sind wir auf dem gleichen Schiff im Strudel des Nullpunkts, es zieht uns hinein, die Kreise werden immer kleiner, der Punkt kommt immer näher, wo all die Vorstellung, all die Gedanken, alles was wir uns ausgedacht haben verschwindet, am Nullpunkt und dann, und dann?
Kehrt ruhe ein? Ein qualvoller Tauchgang, nach Luft japsend? Ein sanftes im Wasser gleiten mit der Sonne im Gesicht? Ein Sommerregen in dem wir plötzlich vom Blitz getroffen tot umfallen?
Wir wissen es nicht.
Es ist vier Uhr morgens, in 14 Stunden gehen die Türen auf, es ist still, ich und die gefüllte Leere.
Es ist der Wahn, es macht Sinn!