Editorial
Willkommen am Nullpunkt
, Miloud Genova und Sarah Bleuler
Alles begann mit dem Urknall, sagen manche. Andere behaupten, aus einem wurden zwei – und zwar aus der Rippe des einen die andere. Wieder andere sagen, dass silbern gleissende Untertassen von fernen Fernen herabkamen, uns hier absetzten und wir so unseren Bestimmungsort fanden. So verschieden die Ansichten über den Ursprung auch sein mögen, können sie alle eines nicht verleugnen: Die Welt verändert sich, von Sekunde zu Sekunde, von Minute zu Minute, Stunde zu Stunde, von Tagen zu Wochen zu Monaten zu Jahren zu Jahrtausenden. Ob Zeitstrahl oder Kreislauf, nichts bleibt stehen, alles ist in Bewegung. Schliesslich können wir unser Augenmerk nur auf das beschränken, was sichtbar ist und doch bleibt uns vieles, was sich vor unseren Augen abspielt, verborgen.
Das Projekt heisst Nullpunkt 2011, das „Nullpunkt Magazin“ ist die Dokumentation seiner Prospektive, Perspektive und Retrospektive, die Dimensionen in denen der Nullpunkt 2011 umrissen wird. Was die Prospektive betrifft: Wir haben tage- und nächtelang diskutiert, konzipiert, geschrieben, interviewt, gefilmt, geskypt, fotografiert, gelacht, gelitten, gestritten, getrunken, geliebt. Entstanden ist, was ihr vor euch habt. Und wir bleiben dran (vor allem mit der Liebe). Beiträge rund um den Nullpunkt 2011 sind in der Pipeline, Experimente mit und an journalistischen Grenzen, zwar ohne Zwänge und Einschränkungen, jedoch mit einem Anspruch. An die Gesellschaft, an euch, an uns.
Wir fragen: Wie steht es um die Nachhaltigkeit? Ist das Thema Nachhaltigkeit omnipräsent? Willst du nachhaltig sein? Was ist Nachhaltigkeit? Und sofort erscheinen vor deinem geistigen Auge Bilder von Elektroautos, Werbungen über Strom erzeugende Technologien, Unkrautvernichter oder Greenwahsing betreibende Fastfood-Ketten, die den Begriff benutzen und missbrauchen, den eigentlichen Sinn entfremden. Denn ein Begriff, der so ambivalent gebraucht wird, muss doch seinen wahren Sinn mindestens in einem Gebrauch verfehlen. Und so wird die Nachhaltigkeit weg vom Gebrauch hin bis zum Missbrauch verbraucht. Auf ihr wird rumgetrampelt, mit Pickeln und Presslufthammern wird sie in Trümmer geschlagen, aufgerissen und wieder zusammengesetzt. Immer so, wie sie gerade ins Konzept passt.
Wir stehen am Nullpunkt. Wohin wir gehen? Wir wissen es nicht. Vom Nullpunkt weg, oder auch nicht, Antworten lassen auf sich warten. Es ist an der Zeit, dass wir uns besinnen und gemeinsam etwas entstehen lassen. Der Nullpunkt ist gesetzt, wir wollen Perspektiven einnehmen, dem Dialog lauschen, beobachten, fragen und hinterfragen und laden euch ein, daran teilzunehmen. Hier im Nullpunkt Magazin und vor allem vom 1.- 10. September im ewz-Unterwerk Selnau.
Herzlich Willkommen am Nullpunkt.
Die Redaktion