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Ein Spaziergang, ein Japaner und ein Geheimnis

, Sarah Bleuler

Zürich Hauptbahnhof, 10.23 Uhr. Der IC aus der Ostschweiz trifft ein und bringt Frank und Patrik Riklin zum Treffpunkt, unserem heutigen Nullpunkt. Die Zwillingsbrüder haben ihr Atelier für Sonderaufgaben in St.Gallen für ein paar Stunden verlassen und spazieren mit uns durch Zürich. Ein Schlüsselmoment für das Projekt „Nullpunkt 2011“.

Schlüsselmomente prägten auch die Entwicklung des „Atelier für Sonderaufgaben“. Begegnungen, Ideen, Zufälle und Auseinandersetzungen haben die Brüder dahin gebracht, wo sie sich heute befinden. Schon als kleine Jungs ergänzten sich die zwei ganz gut. „Wenn du eine verrückte Idee hast, brauchst du jemanden, der sie gut findet, einen Befürworter. Da bietet sich ein Zwillingsbruder natürlich an“, erzählt Frank, und vor unserem geistigen Auge sehen wir bildlich die kleinen, verschmitzten Riklin-Zwillinge, wie sie Schabernack aushecken und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Zwei Ohren voll
Wir fühlen uns wie auf einem Schuelreisli während der Primarschulzeit. Fünf Stunden flanieren wir mit Frank und Patrik durch die Limmatstadt. Passanten drehen sich um, glotzen, weichen aus, ein japanischer Tourist schaut verwundert und macht Fotos. 16 Ja, das Bild unseres Grüppli erregt Aufmerksamkeit, sind wir doch alle verkabelt – Miloud in der Mitte, in seinem rechten Ohr redet Moritz mit Frank, im linken Raphi mit Patrik. Und sie reden viel, die Riklins. Sie erzählen von der Vergangenheit, von realisierten Kunstaktionen und -projekten wie ihrem Null Stern Hotel und der Melser Denkpause, und sie blicken in die Zukunft. Projekte und Ideen sind vorhanden, die Riklins können sich nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Beklagen tun sie sich sowieso nicht, im Gegenteil. Die beiden sprühen nur so vor Begeisterung, wenn sie Geschichten ihres Arbeitsalltags auspacken.

Das „Atelier für Sonderaufgaben“ schafft Kunst im Alltag, die Kunst der Riklin Brüder findet mitten im Leben statt. „Ausstellungen sind weniger wichtig geworden, unsere Ideen gehören in die Wirklichkeit. Unser Kunstverständnis bringt uns zu den Menschen, wir sehen Kunst als Abbild der Realität, direkt in der Gesellschaft“. Viele Aufträge für eine „Sonderaufgabe“ kommen heute aus der Wirtschaft. Die Idee, mit Überlegungen auf einer künstlerischen Ebene wirtschaftliche Prozesse und Problemstellungen zu beeinflussen oder zu lösen ist immer wieder zentral in ihrer Arbeit. Oft wird das aber erst auf einen zweiten Blick sichtbar. Mit „heiterem Ernst“ gehen die Zwillinge ihre Projekte an. Die Ideen scheinen oft abgedreht und verrückt, gespickt mit Ironie, Witz und Humor und doch sind sie total ernst gemeint.

Geheime Sonderaufgabe
Genau diese Erfahrung machen auch wir auf unserem Spaziergang. Die Riklin Brüder haben in ihrem Rucksack eine „Sonderaufgabe“ mit dabei. Es handelt sich dabei um [acΨ^5dc?%44^erepma`ç4^] für den „Nullpunkt 2011“. Und ja, sie bleibt geheim, streng geheim. So geheim, dass sie notariell beglaubigt wird – ihr könnt euch selber davon überzeugen. Ab dem 1. September im ewz-Unterwerk Selnau.

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